Was eignet sich wann besser?


Die Bestimmung von Hormonen kann sowohl aus Blutserum als auch aus Speichel erfolgen. Im Blut sehen wir die an Transporteiweiße gebundene Form, d.h. die Hormone stehen in diesem Moment dem Stoffwechsel nicht aktiv zur Verfügung. Daraus kann der Organismus bei Bedarf aber zugreifen und Hormone aktivieren. Und sie erfasst gleichzeitig die stoffwechselaktive, freie Form, aber eine Unterscheidung ist im Ergebnis nicht möglich. Warum ist das wichtig? Nur der freie Hormonanteil kann in der Zielzelle seine Wirkung entfalten und z.B. dafür sorgen, dass wir unseren Tag kraftvoll beginnen können, dass der Zyklus bei den Damen reibungslos verläuft, dass wir uns insgesamt wohlfühlen – oder eben nicht.

Speicheltestungen eignen sich sehr gut für die Diagnostik hormoneller Dysbalancen wie das prämenstruelle Syndrom, Zyklusstörungen, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, zyklusbezogenen Migräne und vieles mehr. Sie haben das Wort „Östrogendominanz“ schon öfter gelesen? Für das richtige Verhältnis von Progesteron und Östradiol bei der Frau oder Testosteron und Östradiol beim Mann zur Klärung von Östradioldominanzen empfehlen sich die freien Hormone. Testungen im Blutserum hingegen sind wichtig für gynäkologisch oder endokrinologisch relevante Themen wie z.B. PCO-Syndrom (polyzystisches Ovar), Endometriose, Nebenniereninsuffizienz oder als Ergänzung für hormonelle Dysbalancen, um abzuklären wieviel der Körper bei den jeweiligen Hormonen herzustellen vermag.

Daneben ist auch bei der Kontrolle der Anwendung von naturidentischen Hormonen eine Einordnung wichtig. In der Regel eignet sich bei oralen, also über den Mund aufgenommenen bio-identen Hormongaben, je nachdem was man kontrollieren möchte, die Blut- oder Speicheltestung. Bei transdermalen Gaben, also bei der Verwendung von Hormoncremes auf der Haut, ist eine Kontrolle über die Speicheltestung anzuraten.

Manchmal liest man, Hormontestungen im Blut seien besser – oder in anderen Artikeln, die Speicheltestung sei die bessere Variante. Diese Festlegungen sollte es nicht geben, denn beide Varianten haben ihre Berechtigung, je nachdem, welche Symptomatik, Fragestellung und therapeutische Hormonanwendung zugrunde liegt.

Speichel- und Blutergebnisse sind nicht direkt vergleichbar und können auf den ersten Blick sogar manchmal recht unterschiedlich erscheinen. Versierte und erfahrene Therapeut:innen kennen die Grenzen, Unterschiede und Möglichkeiten beider Varianten und können entsprechend passende Therapien aus den Ergebnissen ableiten.